Einstein, der große Plagiator?

Einstein, das grĂ¶ĂŸte Genie des 20. Jahrhunderts, soll wiederholt von anderen Gelehrten geklaut und deren Ergebnisse als die seinigen ausgegeben haben? Das ist unmöglich, denkt jeder, denn das hatte er nicht nötig. Stimmt, er hatte es nicht nötig. Die Aldi-BrĂŒder haben es auch nicht nötig, die Löhne ihrer Angestellten derart zu drĂŒcken und sie, wenn sie mehr bekommen mĂŒssen, raus zu mobben. Andrew Carnegie, einer der reichsten MĂ€nner Amerikas, gab nie Trinkgeld und war in jeder Hinsicht Vorbild fĂŒr Dagobert Duck. Andere Milliarde gehen abends durch die BĂŒrorĂ€ume und drehen eigenhĂ€ndig das Licht ab, um Strom zu sparen. Davon gibt es noch viele Beispiele. Warum tun die das, wo sie es doch wirklich nicht nötig hĂ€tten?
Sie tun es eben. So wie Albert Einstein. Von ihm erschien im Jahre 1905 eine höchst bemerkenswerte Schrift. Sie hieß "Zur Elektrodynamik bewegter Körper", und sie wird heute als Kult-Reliquie der modernen Physik verehrt. Das Bemerkenswerte an ihr: Es gibt dort keine einzige Literaturangabe, ein fĂŒr wissenschaftliche Arbeiten höchst ungewöhnlicher Tatbestand. Und das verwundert nicht: Einstein hat so gut wie alles von dem bedeutenden französischen Mathematiker und Physiker Henri PoincarĂ© abgeschrieben, Ideen, die der Franzose in einem damals viel beachteten Buch zusammengefasst hatte. 1904 kam es in deutsch unter dem Titel "Wissenschaft und Hypothese" heraus, in dem all das stand, was man auch bei Einstein ein Jahr spĂ€ter findet:
- Es gibt keinen absoluten Raum und keine absolute Zeit.
- Wir sollten physikalische Gesetze in einem vierdimensionalen RaumzeitgefĂŒge beschreiben.
- Das Prinzip der RelativitÀt sollte mit der Lorentzschen Elektrodynamik bewegter Körper (!) in Einklang gebracht werden.
- Gleichzeitigkeit muss definiert werden, und zwar mit Hilfe einer Federuhr. Bei Einstein geschieht dies auch - mit Hilfe einer Unruhuhr!
PoincarĂ© schwieg vornehm ĂŒber den geistigen Diebstahl, zumal er ja Franzose war und dieser Einstein nur Deutscher. Auf Kongressen mied er ihn und setzte sich lieber zu Madame Curie.

Doch es ging weiter. Zehn Jahre spĂ€ter rang Einstein mit der Formel, welche die RaumkrĂŒmmung mit der Schwerkraft in Verbindung bringen sollte. Ihm fehlte ein Glied, und das fand der bedeutende deutsche Mathematiker David Hilbert nach Besuch eines Vortrags von Einstein.
Einstein erfuhr davon und bat um eine Kopie des (noch nicht veröffentlichten) Manuskripts, die er von Hilbert auch sofort erhielt. Und dieses Manuskript war fĂŒr Einstein ein einziges Ärgernis. Das mathematische Glied, das Einstein so lange gesucht hatte (fĂŒr Fachleute: die Spur des Ricci-Tensors), tauchte bei Hilbert auf - die Formeln stimmten, und ihre Ableitung strotzte auch noch von mathematischer Eleganz.
Einstein reagierte auf seine ĂŒbliche Art: Er ĂŒbernahm sofort das fehlende Glied und beschuldigte Hilbert (nicht direkt, nur in einem Brief an einen Freund), von ihm, Einstein, abgeschrieben zu haben. Dass er das Glied ĂŒbernommen hat, weiß man von seinem frĂŒher eingereichten Manuskript, wo es fehlt - in der endgĂŒltigen Version taucht es dann auf, nachdem Einstein Hilberts Abhandlung gelesen hatte, und zwar ohne Ableitung!
Irgendwie haben sich die Herren dann doch geeinigt. Hilbert brauchte keinen Streit mit zweitrangigen Amatör-Mathematikern. Einstein konnte sich keinen öffentlichen Disput mit einem erstrangigen Mathematiker leisten.
Beim dritten Vorfall dieser Art indes schwieg der Betroffene nicht. Wieder war es ein Mathematiker, wieder ein Franzose. Eli Cartan hatte die Idee gehabt, den Raum nicht nur zu krĂŒmmen, sondern die KrĂŒmmungsfĂ€den auch noch zu verdrillen, woraus sich zusĂ€tzlich zur Schwerkraft auch noch die TrĂ€gheit rein mathematisch ergeben sollte.
Einstein, seit 1920 bis zu seinem Tod 1955 auf der Suche nach der Weltformel, griff die Ideen begierig auf und bastelte sich daraus eine Theorie - unter eigenem Namen. Cartan wies ihn auf einer Konferenz auf seine Idee-PrioritĂ€t hin, doch Einstein konnte sich an nichts erinnern. Cartan zeigte ihm einen Brief, den ihm Einstein geschrieben hatte, worin er sich fĂŒr die Ideen des Herrn Cartan bedankte. Einstein konnte nun nicht mehr leugnen und versprach dem jungen Mathematiker, ihn in seinem nĂ€chsten Sammelband die Ehre der PrioritĂ€t zu erweisen.
Und Einstein rĂ€chte sich fĂŒr Cartans UnverschĂ€mtheit, ihm die Wahrheit gesagt zu haben: Im nĂ€chsten Sammelband war kein einziger Beitrag von Cartan, und der Mann wurde auch nie wieder erwĂ€hnt. Heute kennt ihn keiner.
Einstein, der große Plagiator - hatte er das nötig? Oder ist das die falsche Frage? Wussten Sie, dass im Jahre 1997 drei Autoren versuchten, den Ruf des grĂ¶ĂŸten Mathematikers des 20. Jahrhunderts zu ruinieren? Und dass sie dabei Erfolg hatten, obwohl ihre Machenschaften und Manipulationen aufgedeckt wurden? Hier ist die traurige Geschichte.

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